Carl Bühler

 

Ein großer Verlust

Die Filmfreunde des Reutlinger Film-Clubs trauern um Carl Bühler. Der lang-jährige Vorsitzende des RFC starb Anfang der Woche, am 19. Oktober. Seine Krebserkrankung nahm ihm in den letzten Wochen den Lebensmut. Der pas-sionierte Dauerläufer wäre in einem Vierteljahr 89 Jahre geworden.

Carl Bühler war früh in den 80-er Jahren zum Film-Club gestoßen, Der Bank-direktor fertigte Familienfilme, filmte bei seinen Reisen mit seinem Wohnan-hänger durch ganz Europa. Nun suchte er den Rat von ausgewiesenen Film-ern wie Jürgen Roller oder Ingo Döring, um seinen Werken noch mehr Schliff zu verleihen. In den 90-er Jahren übernahm er den Vorsitz des Film-Clubs. Es war eine Zeit voller Herausforderungen: die Zeit des Chemiefilms war zu Ende gegangen, der Wechsel vom analogen Bearbeiten des Materials zur Digitalisie-rung erfolgte immer dynamischer. Neue Geräte mussten beschafft, der Um--gang mit ihnen erlernt werden. Carl führte den Club mit sicherer Hand, mit seiner höflichen und freundlichen Art bewältigte er so manche Schwierigkeit. Seine Frau Sieglinde, von ihm und allen anderen im Club liebevoll nur „Linde“ genannt, war ihm eine treue Begleiterin und große Stütze bei der Arbeit für den Verein: sie führte die Kasse, erledigte zuverlässig jegliche Schriftarbeit, machte Öffentlichkeitsarbeit, organisierte die praktische Seite des Clublebens, vermit-telte die Möglichkeit, in der Kurklinik Bad Urach Filmabende zu gestalten.

Bei Filmschauen, Tagen der offenen Tür und Ferienprogrammen repräsentierte Carl Bühler den Club in höchst angenehmer Art und Weise. Zahlreiche regio-nale und landesweite Filmwettbewerbe wurden unter seiner Regie realisiert. Im Landesverband der Film-Autoren Baden-Württembergs fungierte er über län-gere Zeit hinweg als Kassenprüfer. Seine Berichterstattungen über die Kas-senführung bei den Jahreshauptversammlungen waren immer knapp, präzise und korrekt. Oft hatte er gut begründete Verbesserungsvorschläge.

Carl Bühler war ein musikalischer Mensch, über Jahrzehnte hinweg spielte er im Reutlinger Posaunenchor mit. Seine Musikalität schlug sich auch in seinen Filmen nieder: mit Sorgfalt suchte er seine Begleitmusik aus, immer wenn es die Möglichkeit gab, verwendete er live gespielte Musik, die er beim Filmen vor Ort aufgenommen hatte. Bei unseren Clubabenden konnten wir mit ihm und seinem Freund über den „Rheinsteig“ wandern, ganz „nahe an der Nahe“ sein, mit ihm einen „Städtetrip nach Regensburg“ unternehmen oder einen „Famili-enbesuch in Barcelona“ miterleben.

Einmal noch konnte er dieses Jahr, vor der Corona-bedingten Zwangspause, einen Clubabend besuchen. Axel Ernst holte ihn zu Hause ab und brachte ihn zurück. An diesem Abend sagte er nur wenig, jetzt ist seine Stimme für immer verstummt. Wir werden ihn vermissen, ein wichtiges Element des Clubs wird fehlen.