
17.03.2011
Wettbewerb - Das 76. Landesfilmfestival spielt am Wochenende in Wannweil. Am Start sind 43 Streifen zwischen 3 und 20 Minuten Länge. Reisereportage, Fantasy, Satireclip
Film ab, Jury wacht
VON MARCEL BOHN UND MARKUS PFISTERER
WANNWEIL. Vielfalt garantiert: Vom Sport über Tierbeobachtungen und gesellschaftspolitisch angehauchte Reisereportagen bis hin zu Fantasy-Streifen reichen die Filme, die am Wochenende 19./20. März im Wannweiler Gemeindehaus zu sehen sind.

Eberhard Marx, Fritz Dannenmann, Eckhard Brinks, Ingo Döring.
FOTO: Markus Pfisterer:
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Dort steigt am Samstag und Sonntag ganztägig das 76. Landesfilmfestival des Landesverbands der Filmautoren, ausgerichtet vom Reutlinger Film-Club (RFC). Am Start sind 43 Filme und Clips zwischen 3 und 20 Minuten Länge, gedreht von Amateurfilmern aus ganz Baden-Württemberg, die sich in fünf Regionalwettbewerben qualifiziert haben. Zu sehen sind sie in fünf eineinhalbstündigen Blöcken. Nach jedem Block diskutiert die sechsköpfige Jury öffentlich darüber, welcher Beitrag einen ersten, zweiten oder dritten Preis verdient hat und wer auf Bundesebene weiterkommt. Das schafft erfahrungsgemäß etwa die Hälfte der Kandidaten, darunter alle erstpreisigen. Herausragende Filme können später beim internationalen Wettbewerb Unica reüssieren. Wer es von den rund 100 regional angetretenen Hobbyfilmern nach Wannweil geschafft hat, hat schon Können bewiesen: Durch jeden Wettbewerbsbeitrag spinnt sich ein roter Faden, die Filme sind sorgsam geschnitten und fallen durch gut gesprochene Kommentare auf, für die Macher die nicht selten professionelle Sprecher engagiert haben. Den Ideen der Filmer sind kaum Grenzen gesetzt. Im Wettbewerb dabei ist eine Mafia-Satire, in dem der Mörder zugleich das Mordopfer ist; ein Lebensdurchblick, der entlang einem Schienenstrang vom Jetzt ins Früher führt; oder der Besuch im Leben armer Menschen in Hongkong.
Bewusst setzen die Ausrichter der jährlich laufenden Landesfilmfestivals auf inhaltliche und handwerkliche Qualität, wollen sich von Handyfilmchen und solchen auf Internetplattformen wie Youtube abheben, bei denen es um Quantität, um »1,5 Millionen Mausklicks«, geht, wie Ingo Döring, der Mann für die RFC-Öffenlichkeitsarbeit, formuliert. Auch wegen der veränderten Sehgewohnheiten der »Generation Youtube« hat der Club mit seinen derzeit ganz überwiegend übersiebzigjährigen Mitgliedern ein Nachwuchsproblem. »In den Siebziger-Jahren waren Sechs-Sekunden-Kameraeinstellungen verbreitet - heute sind es meist maximal drei Sekunden pro Take«, zeigt Döring auf. Lediglich zwei RFC-Mitglieder stellen bisher Filme auf Youtube ein. Videofilmer, zu denen verbreitet Jüngere zählen, finden zudem auf dem ebenfalls jährlich laufenden Wettbewerb Videografika den Abtausch mit ihresgleichen.
Das Landesfilmfestival bietet den aus der Zeit des Schmalfilms kommenden Drehfreudigen die Möglichkeit, mit ihrem Spektrum zu punkten, samt sanfter Modernisierungen. Zum ersten Mal gastiert das Festival in Wannweil, wo die Verwaltung den Machern das Gemeindehaus mit seiner umfassenden technischen Ausstattung zur Verfügung gestellt hat. Film ab am Samstag und Sonntag jeweils von 8.30 Uhr an. (GEA)
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07.04.2011
Leben in bewegten Bildern
Seit bald 40 Jahren dreht der Reutlinger Film-Club nichtkommerzielle Filme
Vom Platzanweisen bis zum Ton und Design: Die 15 Aktiven des Reutlinger Film-Clubs machen alles selbst. Allerdings sind die Videofilmer/innen in die Jahre gekommen und suchen nach Nachwuchs.
Matthias Reichert

Jedes Jahr – zuletzt im Januar – macht der Reutlinger Film-Club einen Tag der offenen Tür. Dabei werden Filmkameras, Schnitt- und Vertonungsgeräte samt Software vorgestellt. Hier begutachten Mitglieder und Interessenten ein Schwebestativ für den mobilen Einsatz der Kamera, der so genannten „Steady-Cam“.Bild: Film-Club Reutlingen.
Dokumentationen, Reisefilme, Lokalchroniken, Spielfilme, Animationen: Der Reutlinger Film-Club dreht seit bald 40 Jahren nichtkommerzielle Filme. Die 15 Aktiven unter 72 Mitgliedern wollen ein Stück Leben festhalten und zugleich gestalten – so ist ihr Hobby für sie weit mehr als ein reines Sammeln bewegter Bilder. „Vom Platzanweiser bis zum Ton und Design – wir machen alles selber“, sagt der Öffentlichkeitsarbeiter Ingo Döring.Ob eine Dokumentation über Kunst am Betzinger Bahnhof, eine Satire auf den All-Inclusive-Urlaub, ein Mafia-Streifen, in dem Nachwuchsfilmer Dirk Sander mit „Green Box“-Technik zugleich Mörder und Ermordeten spielt: „Der Film muss eine Geschichte erzählen und wirklich spannend sein“, erklärt Döring. Spielfilme seien für die Hobby-Filmer die Königsdisziplin, denn dabei könne am meisten schiefgehen.Am beliebtesten sind aber Reisefilme.
Die Aktiven lichten „Perlen der Ostsee“ ab, das Matterhorn, Bhutan, Grönland. Zu den Gestaltungsmitteln gehören Großaufnahmen, Zeitraffer und Zeitlupe, Kommentartext und der ausgeklügelte Filmschnitt. Sie drehen heute Videos in HDTV-Technik, setzen damit einen Kontrapunkt zu den hektischen Handy-Filmchen und Internet-Videos. Solche Handy-Bilder seien weit von den Maßstäben des Film-Clubs für Regie und Schnitt entfernt, distanziert sich der Vorsitzende Eckhard Brinks. Nur zwei Aktive stellen eigene Videos auf „Youtube“ ins Internet. Ein Grund: Die Gema-Rechte für den Ton. Sobald ein Musikstück wiedergegeben wird, müssen die Filmemacher Gema-Gebühren bezahlen. Was aber tun, wenn einer gleich das ganze Jahreskonzert einer Musikkapelle filmt?Für seine Wettbewerbe hat der Bundesverband Deutscher Filmautoren eine Absprache mit der Gema getroffen, derzufolge die Filme dort gezeigt werden können.
Es gibt Regional-Ausscheidungen, Landesfestivals und Bundeskonkurrenzen. Die besten Filme aus den neun Bundes-Ausscheidungen sind schließlich einmal im Jahr beim Deutschen Amateurfilm-Festival zu sehen, der jährlichen Leistungsschau des Bundesverbandes der Filmautoren. Immer wieder sind dabei auch Reutlinger Filmer vertreten.Früher nannten sie sich „Film-Amateure“, aber das passe nicht zum großen Aufwand, den sie betreiben, erläutern die Aktiven. Denn ein einzelner Film, der in der Regel zwischen einer und 20 Minuten dauert, hat ein halbes bis dreiviertel Jahr Drehzeit. Teils engagieren die Filmemacher professionelle Sprecher dafür.
Eine sechsköpfige Jury bewertet bei den Ausscheidungen die Filme öffentlich, verteilt erste, zweite, dritte, vierte Preise oder Anerkennungs-Urkunden. Wessen Film nicht weiterkommt, der kann sich an eine eigens eingerichtete Einspruchbehörde wenden. Eckhard Brinks ist seit 30 Jahren Juror. „Manchmal gehen die Autoren nach der Sitzung auf einen los und beschuldigen einen“, sagt er.„Da stecken massive Interessen und viele Emotionen drin“, weiß Ingo Döring. Wobei der Umgangston höflicher geworden ist. Vor 30 Jahren, erinnert sich Brinks, habe man einem wenig talentierten Filmemacher noch erklärt: „Schmieren Sie ihre Filme mit Honig ein und machen Sie einen Fliegenfänger damit.“ Zelluloid ist längst passé.
Im März flimmerten die Videofilme, wie berichtet, in Wannweil beim vom Reutlinger Film-Club organisierten Landesfilmfestival vor insgesamt rund 200 Zuschauern über die große Leinwand im Gemeindehaus-Saal. „Der Fernseher ist uns zu klein. Wir kommen vom Schmalfilm, wo man die Filme groß projiziert“, erzählt der Öffentlichkeitsarbeiter.Der Reutlinger Verein trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Clubraum der Alten Schule in der Betzinger Eisenbahnstraße. Hier bekommen Film-Neulinge auch Tipps zur Auswahl der passenden Kamera und zur Filmgestaltung. Weiter stehen Workshops, Filmabende, Tage der offenen Tür, Ausflüge, Clubwettbewerbe, regionale Festivals im Jahresprogramm.
Ein Problem: Die Filmer werden immer älter. „Wir haben unter 35-Jährige und über 70-Jährige“, beschreibt Ingo Döring die Mitglieder des Film-Clubs. „90 Prozent sind über 70 Jahre alt.“Info:
Siehe auch die Homepage www.reutlinger-film-club.de.